Spaziergang durchs Gedankenlabyrinth II

… „Ich wünsche mir, dass wir verstehen, dass manche Behinderungen wie unsichtbare Risse in einer Fassade sind – von Weitem sieht alles perfekt aus, aber dahinter bröckeln die Wände…
Ich wünsche mir, dass die Mauern aus Unsicherheit und Unwissen, die uns oft trennen, endlich fallen. Dass wir uns trauen, aufeinander zuzugehen, anfangen Brücken zu bauen, statt nur über Gräben hinweg zu winken…
Ich wünsche mir, dass der unsichtbare Eisberg zwischen uns schmilzt. Dieses unsichere Zögern im Blick, wenn man nicht weiß, ob man lächeln oder wegschauen soll…
Ich wünsche mir mehr Mitgefühl, kein Mitleid – nein, Mitgefühl. Die Gabe, sich in jemanden hineinversetzen zu können. Auch in jemanden, der doch eigentlich ‚ganz normal‘ aussieht. Diese Empathie von der alle sprechen…
Und wenn es ersichtlich ist, wünsche ich mir, dass der erste Blick nicht auf die Behinderung selbst oder auf den Rollstuhl geht, sondern in die Augen. Und dass in diesem Blick so viel Neugier und so wenig Angst liegt, dass man direkt ins Gespräch kommt…
Ich wünsche mir, dass alle verstehen, dass auch sie in der nächsten Sekunde zur Minderheit gehören könnten. Obwohl wir doch so fit und gesund sind…“
„Ich verstehe so langsam… das ist nicht nur deine Geschichte. Das ist unsere!“
„Ich wünsche mir, dass wir das Thema ‚Behinderung‘ endlich zulassen und anfangen hinzuschauen. In einer immer älter werdenden Gesellschaft brauchen wir das!
Und ich wünsche mir, dass auch die Kleinsten in unserer Gesellschaft schon früh in Kontakt mit Menschen mit Behinderung kommen und lernen, was echtes ‚Miteinander‘ bedeutet…
Vielleicht ist der größte Wunsch gar nicht der nach Heilung. Sondern der, dass wir uns trauen, das Thema ‚Behinderung‘ endlich mal in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Weil es da hingehört. Nicht an den Rand!“


